Freizeit statt Putzzeit   Kürzlich aktualisiert!


So hieß der VHS-Kurs, den ich vor vielen Jahren gehalten habe. Ja genau, ich war mal Dozentin an der Volkshochschule und hab‘ Hilfestellung beim Hausputz gegeben. Für Menschen, die (auch) keinen Bock aufs Putzen hatten. Also Menschen wie Du und ich. Denn sauber wollen wir’s ja eigentlich alle. Nur halt am besten mit möglichst wenig Aufwand. Damals war ich Studentin und alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern. Und um irgendwie Herrin der Lage zu werden (Kinder! Studium! Keine Kohle für eine Putzhilfe!) tat ich das, was ich immer tat wenn ich erst mal keine Ahnung hatte. Ich las‘ ein Buch. Speed Cleaning von Jeff Campbell erklärte mir Putzstrategien. Ich lernte, wie ich mich planvoll durchs Haus arbeiten sollte. Von oben nach unten und von links nach rechts. Niemals zurück. Alles was ich benötige sollte ich immer bei mir tragen. Denn es galt keine Zeit zu verlieren und schon gar nicht, weil ich etwas, das ich irgendwo abgestellt hatte, erst suchen und holen müsste.

Klo putzen für Kloputzhasser

Es gab detaillierte Reinigungsanleitungen zu allem, was einem in so einem Haushalt begegnet. Zum Beispiel wie man die verhasste Toilette schrubbt, die Fingerabdrücke an der Kühlschranktür beseitigt und wie man den Endgegner, den Backofen, besiegt.

Putzen: Auge in Auge mit der Toilette.

Einzelne Sätze aus dem Buch weiß ich sogar heute noch auswendig. Zum Beispiel: „You want to be eyeball to eyeball with the toilet only once“ erinnerte eindringlich daran, dass man nicht mehr Putzzeit als nötig von Angesicht zu Angesicht mit der Toilette verbringen sollte.

Oder auch: „If it’s not dirty, don’t clean it“. Klingt erst mal logisch, aber wenn ich so darüber nachdachte: Hatte ich nicht oft die gesamte Küchenfront geputzt, wo doch nur ein paar Fingerabdrücke um den Griff herum klebten? Jeff Campbell lehrte mich in seinem Buch, bei jedem Handgriff auf Effizienz zu achten. Ziel war: alles sauber und zwar schnell. Und dazu gehört eben auch, nur das zu putzen, was auch tatsächlich schmutzig ist.

Das alles war lange vor YouTube-Tutorials, die es heute zu jedem erdenklichen Thema – eben auch zum Putzen – gibt. Und zu diesem Zeitpunkt in den 1990ern gab’s auch keine (deutschen) Bücher, die effizientes Putzen thematisierten. Heute gibt’s zig Websites mit Putz-Content, massig Bücher über effizienten Hausputz und spätestens mit Marie Kondo ist das ganze Thema Haushaltsführung salonfähig geworden. Aber damals war das noch nicht so und das Buch, das ich mir besorgt hatte war quasi der neuste, heiße Shaiz aus Amerika. Denn hier in Deutschland lief man zu der Zeit noch mit einem Eimer voll schmutzigem Putzwasser durchs Haus und schwörte beim Fensterputzen auf Zeitungspapier.

Mein Leben als Putz-Dozentin

Ich fand die Erkenntnisse aus dem amerikanischen Putzbuch mega und setzte alles um. Und ich hab‘ ein paar Freundinnen davon erzählt. Wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand. Weil Putzen ist ja uncool und so. Aber zu meiner großen Verwunderung waren alle an den Schnellputz-Strategien interessiert. Wirklich alle. Niemals hat jemand gesagt: „Ach nee, wie man schneller putzt interessiert mich nicht. Macht mir nix aus, wenn ich das ganze Wochenende mit Putzen verbringe.“

Nachdem ich also meinen Freundeskreis mit dem Speed Cleaning Virus infiziert hatte, kontaktierte ich die Volkshochschule und pitchte meine Idee eines Putzkurses, den ich schmissig Freizeit statt Putzzeit nannte. Zu meiner großen Begeisterung (studentischer Nebenjob, juhu!) bissen sie an und nahmen meinen Kurs in ihr Programm auf. Er war ein Riesenerfolg.

Kursbeschreibung Freizeit statt Putzzeit
Mein Putzkurs im VHS-Programmheft

Weil die Kurse immer ausgebucht waren, wurden Zusatztermine angesetzt und bald fragten auch Volkshochschulen aus anderen Kommunen bei mir an. Aber mir war schnell klar: richtig Geld verdienen (also so dass ich meine Kids damit ernähren konnte) lies sich als VHS-Dozentin nicht. Und nach ein paar Semestern hörte ich, zum großen Bedauern der Volkshochschulen, mit den Kursen auf.

Aber ich habe witzige Erinnerungen an diese Kurse und die gemeinsame Zeit mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Und rückblickend kann ich sagen: in den VHS-Kursen habe ich gelernt, frei vor Gruppen zu sprechen, schnell Kontakt mit Leuten herzustellen und sie mitzureißen. Und ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Humor und Freude in jegliche Lernerfahrung zu bringen. Denn in einer entspannten, lockeren Atmosphäre gibt’s einfach die besten Aha-Effekte. Highlight jedes Kurses war wohl, wenn ich die Gruppe bat mit mir zu den VHS-Toiletten zu kommen, um „am Objekt“ die Klobrillen-Putzstrategie zu demonstrieren. Spätestens nach dem gemeinsamen Klogang waren alle eine kichernde, eingeschweißte Truppe.

Sehr schnell nach Ende des Studiums stellte ich dann aber Putzhilfen ein. Denn als Vollzeit arbeitende, alleinerziehende Mutter wollte ich jede freie Minute für mich und für die Kinder haben. Ich war dankbar, dass ich – Speed Cleaning hin oder her – den Haushaltsputz delegieren konnte. Und dabei blieb es auch für die nächsten zwei Jahrzehnte. Entsprechend reduzierte sich das Thema Hausputz auf das monatliche Begleichen der Putzhilfe-Rechnung.

Erst mit unserem Umzug aufs Land vor einem Jahr hatten wir zum ersten Mal seit langer Zeit keine Putzhilfe mehr. Und so kam es, dass ich mich wieder fürs Putzen zu interessieren begann. Wie macht man das eigentlich heute? Gelten die Speed Cleaning Regeln von damals noch oder gibt’s inzwischen bessere Strategien? Bessere Produkte?

Binge-Watching inklusive: Putzen auf Social Media

Diesmal recherchierte ich nicht mehr in Büchern, sondern zeitgemäß im Internet. Als erstes fand ich Sally, eine deutsch-türkische Unternehmerin, die vor zehn Jahren neben ihrem Lehramtsstudium einen kleinen YouTube-Kanal startete. Daraus ist inzwischen Sallys Welt, einer der erfolgreichsten YouTube-Kanäle Deutschlands geworden und Sally wurde eine höchst erfolgreiche Geschäftsfrau mit Millionenumsatz. Auf ihrem YouTube-Kanal gibt’s eine ganze Playlist zum Frühjahrsputz in ihrem Haus und Garten. Und natürlich lässt auch sie in ihrem Badezimmer-Putz-Tutorial die Toilette nicht aus, seht selbst:

So putzt Deutschlands erfolgreichste YouTuberin ihr Badezimmer

Sally ist wahnsinnig sympathisch und erfrischend normal. Sie ist die geborene Grundschullehrerin, von der man sich gerne die (Putz-)Welt erklären lässt und im Anschluss all ihre Produkte kaufen mag. Nur so kann ich mir erklären, dass ich gebannt jedes ihrer Putzvideos schaute als wären sie der neuste Serienhit bei Netflix. Ich bingewatchte jetzt also Putzvideos! Peinlich, ich weiß. Aber es kommt noch schlimmer.

Denn aus dieser harmlosen Websuche nach Reinigungsprodukten entwickelte sich eine handfeste Obsession für Putz-Content. Normal dreckige Häuser reichten mir schon bald nicht mehr. Ich suchte den besonderen Putz-Kick. So mit krassen vorher-nachher-Effekten. Und so landete ich bei Aurikatariina, die sich selbst als Queen of Cleaning bezeichnet und 1,93 Millionen Abonnent:innen bei YouTube hat. Sie reinigt Messie-Wohnungen und hält den Prozess in ihren YouTube-Videos fest. Vorsicht, für ihre Putzvideos braucht man starke Nerven und einen robusten Magen. Aber die vorher-nachher-Effekte sind wirklich beeindruckend:

Die Finnin Aurikatariina reinigt kostenlos Messie-Wohnungen

Aber YouTube ist nicht der einzige Stern am Internet-Putzhimmel. Auch bei Instagram gibt’s Cleaning Education, wie es GoCleanCo nennt. Mit aktuell 2,4 Millionen Followern ist das wahrscheinlich der erfolgreichste Putz-Account bei Instagram. Gegründet hat ihn die Kanadierin Sarah McAllister. Vor der Pandemie hatte sie einen kleinen Reinigungsservice in Calgary. Dann kam der Lockdown und die ganze Welt war plötzlich höchst interessiert daran, das eigene Haus gründlich zu desinfizieren. Also fing sie an, in ihren Insta-Stories Putzvideos zu posten. Und die in ihren Häusern festsitzende Instagram-Community putzte mit. Unter dem Hashtag #cleaningarmy formierte sich innerhalb kürzester Zeit eine breite Anhängerschaft. Und aus dem kleinen, lokalen Reinigungsdienst aus Calgary wurde ein florierendes, weltweites Online-Business. Ich selbst habe innerhalb eines Jahres wahrscheinlich mehr GoCleanCo Putz-Insta-Stories geschaut, als Katzenvideos seit Beginn des Internets. Gibt es eigentlich Forschung dazu, weshalb so viele Menschen fasziniert zusehen, wenn aus einem verdreckten ein blitzeblankes Fenster wird – aber gleichzeitig wenig Wunsch verspüren es selbst zu tun? #askingforafriend

Meine Favoriten für mehr Freizeit statt Putzzeit

Wie putzt man heute? Welche Putz-Tools funktionieren am besten und welche Putzmittel sind der heiße Shit? Inspiriert von den Internet-Putzfluencern habe ich viele Must-haves für den Hausputz gefunden.

Von Messie-Haus-Putzfee Aurikatariina habe ich die Scrub Daddy und Scrub Mommy Schwämme abgeschaut. Und ich bin inzwischen genauso versessen auf high-end Staubsauger wie das kanadische GoCleanCo Team. Mit Sally teile ich die Begeisterung fürs Putzen mit Dampf.

Darüber hinaus habe ich noch zig weitere Reinigungsprodukte bestellt und getestet. Vieles hielt nicht, was es versprach und ging postwendend zurück. Aber ich habe auch richtig großartige Putz-Tools gefunden und mit ihnen meine Putzroutine optimiert. Mein absolutes Lieblingswerkzeug für den Hausputz ist eine batteriebetriebene Mini-Bürste von Rubbermaid. Die sieht aus wie eine elektrische Zahnbürste – nur halt viel robuster und gnadenloser. Sie kommt in jede fiese Ecke und ein Putzleben ohne sie ist sinnlos.

Diese und alle meine anderen Lieblingsprodukte für den Hausputz habe ich auf meiner Stil in Nürnberg Seite bei Amazon für Dich zusammengetragen. Dort findest Du ausschließlich Artikel, die ich selbst bei mir zu Hause ausgiebig getestet und für gut befunden habe. Bei den meisten Produkten habe ich auch eine persönliche Anmerkung mit meinen Tipps und Erfahrungen hinterlegt.

Wenn Du auch Bock auf mehr Freizeit statt Putzzeit hast, dann schau‘ dort mal vorbei. Ich würde wetten, Du findest in meiner Hausputz-Liste auch etwas, das Dein Putzleben verändert. Hier geht’s zu meinen persönlichen Lieblingsartikeln für den Hausputz.

Hast Du ein Putz-Tool, das noch auf meiner Hausputz-Liste fehlt? Schreib’s in die Kommentare und teile Deinen Putz-Tipp!

A clean house is a sign of a wasted life.
Because YOLO.
Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Mehr dazu erfährst Du hier. Stil in Nürnberg ist Teilnehmer des Amazon-Partnerprogramm, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Partner-Links zu Amazon.de Entgelte verdient werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.