Wie zuckerfreie Ernährung mein Leben verändert hat (Teil 1) 1


Ernährungstechnisch hab ich schon so einiges erlebt. Bio-Vollwertkost, Vegetarisch, Rohkost, Vegan, Glutenfrei, Laktosefrei. Und natürlich Jamie Oliver. Aber auch die „andere Seite“ kenne ich gut: Tiefkühlfertigzeug, Diät-Shakes, Low-Carb, Dinner-Cancelling, intermittierendes Fasten. Ich hab alles durch. Nicht nur mal eine Mahlzeit, sondern jeweils zwischen ein paar Monaten und mehreren Jahren.

Als ich im letzten Jahr mein Laktosefrei-Experiment startete, dachte ich noch ganz naiv, auf Milch und Käse zu verzichten wäre super-schwierig. Ha! Von wegen. Auf Zucker zu verzichten ist noch viel schwieriger. Einfach, weil es im Supermarkt (und Bioladen!) kaum noch Produkte ohne Zucker gibt. Aber mal der Reihe nach.

Warum ich Schluss mit Zucker gemacht habe

Ernährung ohne Milch und Zucker.

Milch aufgeben war hart. Zucker war härter.

Dass Zucker „nicht so gesund“ ist, weiß man ja irgendwie. Aus Kaffee und Tee hatte ich ihn schon vor Jahren verbannt. Beim Backen verwendete ich meist Vollrohrzucker „weil da wenigstens noch Mineralien und so drin sind“ (haha). Und sooo viele Süßigkeiten esse ich ja dann auch nicht. Also außer Gummibärchen. Und dem Kuchen in der Kantine, wenn ich mal wieder keine Zeit hatte, Mittagessen zu gehen. Warum also den Zucker aus meinem Leben verbannen?

Auf diese verrückte Idee kam ich – ganz, wie sich das für unsere Zeit gehört – natürlich durch YouTube. Irgendjemand hatte ein Video empfohlen mit dem schmissigen Titel „Sugar: The Bitter Truth“. Das Video zeigt den super-interessanten und kurzweiligen Vortrag eines Medizin-Professors der University of California: Dr. Robert H. Lustig. Das Video (6,7 Millionen Views) ist 90 Minuten lang. Und jede Minute ist super spannend. Nachdem dieser Artikel jedoch nicht die Erkenntnisse der Zuckerforschung thematisiert, sondern meine Erfahrungen mit dem Zuckerverzicht, reduziere ich die Quintessenz aus Dr. Lustigs Vortrag mal auf folgende Aussage:

Fruktose, also der Fruchtzucker, ist der Feind

Fruchtzucker?! Das klingt doch so gesund! Tja, ist es aber nicht. Infos zu Fruchtzucker gibt’s hier oder hier. Wer’s genau wissen will, dem empfehle ich das Video „Sugar: The Bitter Truth“:

OK, dass Fruktose schlecht ist, wusste ich jetzt. Aber wie um Himmels willen kann man darauf verzichten? Fruchtzucker ist doch überall drin – sogar im Obst. Dabei ist Obst doch gesund, oder?! Naja, wir essen heute weitaus mehr Früchte, als vorgesehen. Und da wir inzwischen alle „auf süß getrimmt“ sind, wird Obst mit immer höherem Zuckergehalt gezüchtet. Ich recherchierte weiter und fand schließlich Sarah Wilsons Buch I quit sugar, auf Deutsch erschienen unter dem Titel Goodbye Zucker: Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen.

Ich kaufte das englische Hörbuch, um es auf dem Weg zur Arbeit zu hören und zu lernen, wie ich zuckerfrei werden kann. Für den Theorie- und Motivationsteil des Buches hat das auch sehr gut geklappt. Ich lernte, dass wir inzwischen alle viel zu viel Zucker, Süßes und Früchte essen und welche schlechten Auswirkungen das hat. Ich war fest entschlossen, der Fruktose zu entsagen. Trotzdem war das Hörbuch eine blöde Idee, denn die über 100 Rezepte im Buch hätte ich dann doch lieber auf Papier gehabt… Als Buch, nicht als Hörbuch, kann ich Goodbye Zucker aber für den Einstieg empfehlen.

Zuckerfreie Ernährung, 1. Versuch (ohne Rezepte)

Zuckerfrei ist traurig?

Erinnerungen an Weihnachten 2015 – ohne Zucker.

Nachdem ich keine Rezepte hatte, zog ich es „einfach so“ durch – ohne Rezepte. Das war im November 2015 und es folgten zwei Monate zuckerfreie Ernährung. Ja genau: in der Weihnachtszeit. Es war traurig. Keine Milch, kein Käse, kein Zucker. Nicht mal Obst. Milchprodukte hatte ich ja schon seit längerem gestrichen. Jetzt, auch noch Zucker. Meine Ernährung wurde nicht gesünder, sondern eintöniger. Ich ernährte mich gefühlt nur noch von Brot mit Nussmus.

Angenehmer Nebeneffekt war allerdings: nach den 8 Wochen zuckerfrei hatte ich deutlich abgenommen. Und das über Weihnachten! Dabei hatte ich mich bezüglich der Menge nicht eingeschränkt und so viel gegessen wie ich (von dem immer gleichen Zeug) wollte. Aber das viel überzeugendere Ergebnis als die Gewichtsabnahme, war die Veränderung meiner Blutwerte.

Bessere Eisenwerte dank zuckerfreier Ernährung?

Ein kleiner Exkurs. Ein halbes Jahr vorher war bei mir starker Eisenmangel festgestellt worden. Genauer: Ferritinmangel, also der Eisenspeicher. Es heißt, Eisenmangel ist der häufigste Mangel der westlichen Welt – obwohl wir doch so viel Fleisch verzehren und es uns ja eigentlich an nichts mangeln sollte. Warum trotzdem so viele von uns Eisenmangel haben, konnte mir kein Arzt sagen. Auch Dr. Google nicht.

Eisenmangel Ferritinmangel Fleisch

Eisenmangel trotz Fleischkonsum. Wie kann das sein?

Nachdem mein Eisenwert trotz hoch dosierter Eisentabletten nur mäßig besser wurde, stoppte ich im Sommer 2015 meinen Milch- und Koffeinkonsum. Denn angeblich hemmen Milch und Koffein die Eisenaufnahme. Auch an die anderen Regeln, um den Eisenwert zu steigern hielt ich mich strikt. Meinen Ferritinwert beeindruckte das jedoch nicht. Er blieb weiter schlecht. Durchschnittlich stieg er nur um 2 ng/ml pro Monat, obwohl ich täglich Supplemente schluckte.

Da mein Eisenwert  regelmäßig gecheckt wird, kenne ich meinen Wert direkt vor dem Zuckerfrei-Experiment und direkt danach. In den zwei Monaten ohne Fruktose, ist der Wert um 13 (!) ng/ml gestiegen. Das sind 6,5 ng/ml pro Monat. Das bedeutet, ich habe während der zuckerfreien Ernährung mehr als dreimal so viel Eisenspeicher aufgebaut wie im gleichen Zeitraum mit Zuckerkonsum. Ich glaube, diesen Unterschied in der Eisenaufnahme mit und ohne Zucker kann man durchaus als signifikant bezeichnen, oder? Mein Hausarzt kommentierte es mit: „Die Schulmedizin hat hierfür keine Erklärung.“

Zurück auf Droge: Heißhunger auf Süßes

Abgenommen und Eisenwert verbessert, schön und gut. Aber nach zwei Monaten fand ich es an der Zeit, mal wieder etwas Zucker zu knabbern. Nur ganz wenig, damit es nicht mehr so eintönig ist. Während meiner zuckerfreien Phase über Weihnachten hatte ich den Zucker eigentlich auch nicht vermisst. Nur die eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln war langweilig. Aber ich hatte keine Zucker-Entzugserscheinungen bemerkt. Dafür war der Wiedereinstieg in die Droge umso heftiger.

Erinnert Ihr Euch an die Szene aus dem Film Chocolat, als der Bürgermeister die sündige Schokolade im Schaufenster der Chocolaterie zerstört?  Als er gerade dabei ist, alles klein zu hacken, springt ihm versehentlich ein klitzekleines Stückchen Schokolade in den Mund. Er schmeckt es – und dann war’s um ihn geschehen. Alles endet damit, dass er sich durch die gesamte Schokoladenvielfalt frisst und nicht aufhören kann:

So ähnlich ist das ist bei mir auch passiert. Nachdem ich wieder mit dem Zucker anfing, wurde ich in kürzester Zeit zum Marzipanschweinchen. Ich entwickelte einen Heißhunger auf Süßes, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Drei Monate später hatte ich alles wieder zugenommen – und noch mehr dazu. Jojo-Effekt in Reinkultur. Und: mein Eisenwert war mit der Rückkehr zum Zucker sogar wieder gesunken. Mist.

Zuckerfreie Ernährung, 2. Versuch. Diesmal mit Plan!

Fruktosiefreie Ernährung.

Zuckerfrei kochen braucht einen Plan.

Also beschloss ich, es nochmal zu versuchen. Diesmal planvoller. Diesmal mit Rezepten, so dass ich nicht die Lust verlieren würde, weil’s zu langweilig ist. Ich bestellte mehrere Kochbücher zur Auswahl. Und sendete das meiste postwendend zurück. Viele Kochbuch-Autoren ersetzen einfach Haushaltszucker durch anderen Fruktose-Mist (Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup oder Trockenfrüchte) und nennen das dann zuckerfrei. Herrje!

Ich testete Paleo, ein veganes Yogi-Kochbuch und noch eins mit dem vielversprechenden Titel Genussvoll schlemmen ohne Weizen, Zucker und Milch. Nichts überzeugte mich.

Bis ich bei einem Kochbuch landete, das meine Sicht auf Essen, Lebensmittel und Nahrungszubereitung grundlegend veränderte. Denn bis hierhin hatte ich nur eine Zucker-Diät gemacht. Was jetzt folgte war der Start in mein wahres zuckerfreies Abenteuer, siehe Teil 2 meines Erfahrungsberichts.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ein Gedanke zu “Wie zuckerfreie Ernährung mein Leben verändert hat (Teil 1)